Spektakuläre Szene an Kriegerkapelle
„Bleib stehen“: Anwohner erwischt Hakenkreuz-Vandalen auf frischer Tat in Bad Aibling
Unglaubliche Szenen ereigneten sich in der Nacht auf Montag (29. September) im Aiblinger Ortsteil Harthausen. Dort hatte erneut ein Mann Hakenkreuze auf die Kriegerkapelle geschmiert. Dieses Mal hatte sich ein Anwohner auf die Lauer gelegt.
Bad Aibling – Aufatmen in Harthausen? Nachdem bereits im August ein bisher unbekannter Täter die Außenfassade der Kriegerkapelle in Harthausen sowie einen angrenzenden Stromkasten in der Angerstraße mit verfassungswidrigen Zeichen beschmiert hatte, machte sich vermeintlich derselbe Täter nun in der Nacht auf Montag (29. September) erneut ans Werk – und wurde dabei auf frischer Tat ertappt. Doch wie ist es gelungen, den Täter zu fassen?
Bereits Mitte August suchte die Polizeiinspektion Bad Aibling nach einem Täter, welcher die Kriegerkapelle in Harthausen unter anderem mit Hakenkreuzen oder SS-Runen beschmutzt hatte. „Die Anwohner waren seit diesem Vorfall ohnehin sensibilisiert“, erklärt ein Sprecher der Polizeiinspektion Bad Aibling gegenüber dem OVB. Nun konnte ein aufmerksamer Anwohner zu nächtlicher Stunde beobachten, wie ein Mann erneut mit einem Farbeimer und Pinsel die Fassade der Kapelle beschmierte. Was folgte, waren spektakuläre Szenen.
Anwohner wollte gerade ins Bett gehen
„Ich hatte vor Kurzem extra einen Bewegungsmelder in der Kapelle aufgestellt“, erzählt der Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, gegenüber dem OVB. Es war kurz nach Mitternacht, als er gerade ins Bett gehen wollte und in dem Moment sah, wie draußen die Beleuchtung via Bewegungsmelder angegangen war. „Zeitgleich hat sich sofort ein Alarm auf meinem Handy gemeldet“, berichtet der Anwohner, der anschließend leise nach draußen gegangen war. Als der Täter gerade angefangen hatte, an der Fassade sein Unwesen mit dem Pinsel zu treiben, stellte er den Mann.
„Erst war er geschockt, dann begann er wegzurennen“, erzählt der Anwohner von seinen Erlebnissen. Es sei eine Art „Hasenjagd“ gefolgt, an deren Ende der Anwohner den Täter verfolgen und schließlich zurück zur Kapelle zurücktreiben konnte. „Ich sagte ihm dann, er soll sich hinsetzen und auf die Polizei warten.“ Mit Erfolg. Und dennoch musste er die nächtlichen Geschehnisse anschließend erstmal verdauen. „Es hat alles geklappt, aber man denkt sich danach natürlich schon mal: was wäre gewesen, wenn er ein Messer dabei gehabt hätte?“
61-jähriger Tatverdächtiger
Der Täter selbst habe sich nicht dazu geäußert, warum er entsprechende Zeichen an die Kapelle geschmiert hatte. Bei dem Täter handelte es sich nach Polizeiangaben um einen 61-jährigen Deutschen. Wie die Polizeiinspektion Bad Aibling bestätigt, sei es dem Anwohner gelungen, den Tatverdächtigen bis zum Eintreffen der Polizeibeamten festzuhalten. Seine Frau hatte zeitgleich den Notruf gewählt. Der 61-Jährige wurde durch die Polizeibeamten vorläufig festgenommen.
Laut dem Polizeisprecher steht der Mann nun „im dringenden Tatverdacht, mehrere gleichgelagerte Straftaten“ begangen zu haben, wozu etwa das Verwenden von verfassungswidrigen und terroristischen Organisationen gehöre. Der Sachschaden beläuft sich mittlerweile auf einen niedrigen 5-stelligen Bereich. „Wir müssen jetzt sehen, welche weiteren Taten möglicherweise im Rahmen der Ermittlungen noch zum Vorschein kommen“, erklärt der Polizeisprecher. Denn wie die Polizei erfahren hat, habe es bereits in der Vergangenheit mehrere ähnliche Fälle derartiger Beschmierungen gegeben, die teils gar nicht zur Anzeige gebracht und schon wieder überpinselt worden seien.
„Es war jetzt tatsächlich das sechste Mal“, erklärt der Anwohner. Zweimal habe man Anzeige erstattet. Auch aufgrund der Häufigkeit dieser Vorfälle und aus der Verantwortung für die über 100 Jahre alte Kriegerkapelle, habe man nun selbst gehandelt und den Täter stellen können.