„Reden ist wie Sport“ - So überzeugte er die Jury
Bad Feilnbacher Professor knackt Weltrekord im Sprechen - mit Warnung vor „Schokoladen-Rückfall“
Der Bad Feilnbacher Dr. Axel Koch beschäftigt sich in Coachings mit dem Verhalten von Menschen, die ungewollt in alte Muster zurückfallen. Bei einem internationalen Redner-Wettbewerb überzeugte er nun mit „Veränderungsstärke“. Was damit gemeint ist und warum er lange gebraucht hat, um nicht mehr rot zu werden.
Bad Feilnbach – Zugegeben, er hat den Weltrekord nicht alleine aufgestellt. Aber er hatte immerhin einen elementaren Anteil am Erfolg. Dr. Axel Koch aus Bad Feilnbach, beruflich unter anderem als Professor an der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning tätig, nahm kürzlich am 12. internationalen „Speaker Slam“ teil.
Ein Redner-Wettbewerb, der nach Veranstaltungen in New York, Wien, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart und Wiesbaden nun in Mastershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis in Rheinland-Pfalz stattfand. „Ich möchte, dass Ihr alle veränderungsstark seid.“ Mit diesem Satz, lautem Applaus und sprühenden Funken-Fontänen neben der Bühne beendete Koch seinen Vortrag beim Speaker Slam.
„Ich möchte, dass Ihr alle veränderungsstark seid“
Der Dekan der Fakultät für Wirtschaftspsychologie und Professor für Training und Coaching überraschte dabei mit Humor und Kompetenz. Jemand aus dem Publikum drückte es mit den Worten aus: „So hatte ich mir einen Professor nicht vorgestellt.“ Mit seiner lustigen und persönliche Art erreichte er das Publikum umgehend, lautete das Fazit des Veranstalters.
Der Buch-Autor und Diplompsychologe erzählte anhand einer Geschichte mit seinem Sohn, wie es besser gelingen kann, Gewohnheiten zu verändern. Koch hatte bei diesem Wettbewerb, wie alle anderen auch, nur vier Minuten Zeit, sein Publikum und die virtuell anwesende Jury in den Bann zu ziehen, was ihm gleich gelang, indem er mit den Worten eröffnete. „Ich habe Euch etwas mitgebracht. Etwas, was Ihr mit großer Sicherheit nicht kennt. Etwas, was es Euch total einfach macht, Verhaltensmuster zu verändern. Und zwar ohne eiserne Selbstdisziplin und ohne, dass Ihr Euren inneren Schweinehund bekämpfen müsst.“ Und dann simulierte Koch mit spitzem Schrei auf der Bühne, wie er dieses vielzitierte Wesen zu erwürgen schien.“
In seinem Vortrag ging er dann näher auf das Problem vieler Menschen ein, die sich vorgenommen haben, ein Verhalten zu verändern und dann wieder in den alten Trott rutschen. Immer und immer wieder. Und dann oft frustriert aufgeben. Koch stellte dazu die Technik des „Rückfallmanagements“ vor. Im Kern gehe es dabei darum, Vorboten für den Rückfall in alte Verhaltensmuster frühzeitig zu erkennen, um so gegensteuern zu können, bevor der Zug wieder abgefahren ist. Insgesamt gingen bei dem Speaker Slam, der auch online live übertragen wurde, 147 Teilnehmer aus 18 Nationen auf die Bühne. Sie stellten dabei einen neuen Weltrekord auf.
55-Jähriger aus Bad Feilnbach sieht Wettbewerb als Herausforderung
Laut Veranstalter Hermann Scherer waren noch nie so viele Redner in einem Speaker Slam auf gleich zwei Bühnen gegeneinander angetreten. In insgesamt rund zehn Stunden Redezeit ging es Schlag auf Schlag, als sich ein Speaker nahtlos an den anderen reihte. Der Speaker Slam ist ein Rednerwettstreit, den Scherer vor längerer Zeit ins Leben gerufen hat. So wie bei Poetry Slams um die Wette gereimt oder gerappt wird, messen sich beim Speaker Slam die Redner mit ihren Themen.
Doch wie kommt der Diplom-Psychologe aus Bad Feilnbach überhaupt zu so einem Wettbewerb? Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt der 55-Jährige, dass er sich die letzten 13 Jahre in seiner Forschung damit befasst, was Menschen auszeichnet, die besonders umsetzungsstark bei Veränderung sind. „Und um mein Thema in die Welt zu bringen, habe ich die Herausforderung gerne angenommen“, sagt Koch.
„Bei den ersten Malen war ich immer rot“
Dabei war „viel Adrenalin in der Luft“, sagt Koch über die Weltrekord-Veranstaltung, bei der vom Anfänger bis zum Profi-Speaker alles dabei gewesen sei. Er selbst habe durch seine jahrelange Erfahrung im Bereich Coaching und Vorträge einen gewissen Vorsprung gehabt. Natürlich wisse der gebürtige Hannoveraner aber auch noch allzu gut, wie er sich bei seinen ersten Auftritten auf Bühnen gefühlt hatte.
„Bei den ersten Malen war ich immer rot“, erinnert sich der Professor und ergänzt: „Es hat lange gedauert, bis die Färbung endlich wegging.“ Souverän vor einem Publikum zu sprechen sei letztlich ein Resultat aus Übung und Technik. „Reden ist wie Sport“, so Koch. Und welche Tipps gibt es in Sachen Rückfallmanagement?
Das alte Problem mit den neuen Silvestervorsätzen
Am Beispiel der allgemein bekannten Silvestervorsätze erklärt der Bad Feilnbacher, wie man einen Rückfall in alte Verhaltensmuster verhindern kann. „Viele Menschen nehmen sich etwa vor, sich gesünder zu ernähren und zum Beispiel weniger Schokolade zu essen.“ Nun müsse man sich eine Autobahn vorstellen, auf der diverse Schilder auf eine nahende Ausfahrt hinweisen. Diese vergleicht er mit gewissen Vorboten, die einen in seinem Verhalten darauf hinweisen könnten, dass man kurz davor stehe, wieder in den alten Trott zu verfallen.
Beim Thema „gesündere Ernährung“ könnten dies bestimmte Essgewohnheiten am Arbeitsplatz während der Mittagspause sein. Oder der Gedanke an den aufgebrauchten Schokoladenvorrat, während man durch einen Supermarkt läuft. Wenn man diese Vorboten als solche erkennt, könne man einen Rückfall in alte Verhaltensmuster verhindern, so Koch.
