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Fast ausgestorbenes Handwerk

Sie machen Unikate für die Ewigkeit: Wie zwei junge Frauen im BGL die Lederhosen-Tradition retten

Die Säcklerinnen Emma Woodcock (rechts) und Anna Resch: Hinter ihnen hängen handgestickte Einzelstücke aus sämisch gegerbtem Hirschleder.
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Die Säcklerinnen Emma Woodcock (rechts) und Anna Resch: Hinter ihnen hängen handgestickte Einzelstücke aus sämisch gegerbtem Hirschleder.

Die Arbeit ist hart, die Ausbildung selten, die Warteliste für Kunden lang. Trotzdem haben sich Anna (20) und Emma (20) für das seltene Säckler-Handwerk entschieden. Wir haben sie in der Werkstatt von Lederhosen Aigner in Berchtesgaden besucht und ihnen über die Schulter geschaut.

Berchtesgaden – Zwischen zugeschnittenen Hirschlederteilen, vielen Werkzeugen und dem rhythmischen Klackern der Nähmaschine wirkt jeder Handgriff wie ein kleines Ritual. Auf kleinem Raum arbeiten in der Werkstatt von Lederhosen Aigner zwei junge Frauen in einem Beruf, den es in Deutschland kaum noch gibt: Säcklerinnen. Lederhosenmacherinnen aus Überzeugung, sagen beide über sich. Emma Woodcock und Anna Resch sind beide erst 20 Jahre alt, und sie beherrschen ein Handwerk, das nahezu ausgestorben ist.

Der Beruf, den sie gelernt haben oder noch lernen, ist selten geworden. In ganz Deutschland existiert genau eine Berufsschule, die den Ausbildungszweig überhaupt noch anbietet. Sie liegt in Mainburg, rund 30 Kilometer von Landshut entfernt. Anna Resch aus Schönau am Königssee hat dort vor Kurzem ihre Gesellenprüfung abgelegt. Emma Woodcock aus Berchtesgaden bereitet sich gerade auf eben diese vor.

Die Geschichte von Anna beginnt sogar mit einer Lederhose: Ihr Bruder wollte eine haben. Sie erinnert sich noch genau an das erste Mal, als sie bei Aigner in der Werkstatt stand. „Das hat mir gut gefallen“, sagt sie. Mit 13 Jahren machte sie ihr erstes Praktikum und kehrte viermal zurück. Später war sie die einzige Säcklerin in ihrer Berufsschulklasse. Emma kam über Umwege. Sie hat mehrere Jobs ausprobiert. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen“, sagt sie. In der Zeitung las sie dann, dass Lederhosen Aigner einen Lehrling sucht. Sie bewarb sich, bekam die Stelle und blieb. Heute ist sie eine von nur zwei Säckler-Auszubildenden in ihrer Klasse.

Detailaufnahme eines Baumstichs: Die filigrane Stickerei verläuft entlang des Steges und wird in Handarbeit auf das Leder aufgebracht.

Wer durch die Werkstatt geht, sieht schnell, wie vielschichtig die Arbeit ist. Aus zugerichtetem Hirschleder entstehen hier Einzelstücke. Zuerst wird das Leder auf Leinen aufgezogen. Der Kleber dafür besteht aus nichts anderem als Roggenmehl und heißem Wasser. Nach dem Trocknen wird die Form der Hose übertragen. Dann beginnt die Vorbereitung der einzelnen Teile. Danach wandert das Werkstück zu den Stickerinnen, die mit Garnen aus echter Maulbeerseide arbeiten. Sobald alle Zierelemente aufgebracht sind, beginnt der finale Arbeitsschritt: das Zusammennähen der Hose. Anna Resch sagt: „Das Zusammennähen macht mir am meisten Spaß. Am Ende des Tages liegt dann eine fertige Hose vor mir. Das ist immer toll.“ Knöpfe aus Hirschhorn oder Steinnuss werden zum Schluss eingenäht. Eine Arbeit, die in die Finger geht. Fast alle in der Werkstatt tragen Pflaster an Daumen und Zeigefinger. „Aber man gewöhnt sich daran“, sagt Emma.

Lederhosen Aigner ist definitiv kein Geschäft für Eilige. Wer eine handgestickte Hose in Auftrag gibt, wartet bis zu zwei Jahre. Bei Mischstickerei ein Jahr, sagt die 20-jährige Anna. Die Modelle sind zahlreich, über hundert, weiß Engelbert Aigner, der Juniorchef. „Der Garmischer braucht eine andere als der Südtiroler.“ Jede Region hat ihre Eigenheiten. Die Kunden kommen nicht nur aus Bayern, sondern auch aus dem Beneluxraum, den USA oder Kanada. Was beide jungen Frauen an ihrer Arbeit schätzen, ist das Gefühl, etwas Bleibendes zu schaffen. Emma Woodcock sagt: „Wenn man die fertige Hose sieht, dann freut einen das einfach.“

Tradition trifft auf jugendliche Leichtigkeit

Engelbert Aigner, der Sohn des Firmengründers, ist voll des Lobes. „Wir haben mit den beiden echt die Richtigen erwischt“, sagt er. „Total fleißig sind sie. Wenn Not am Mann ist, nehmen sie auch mal was zum Nähen mit nach Hause. In der heutigen Zeit ist das eher eine Seltenheit.“ Lederhosen Aigner wurde 1985 gegründet. Die Familie hat das Handwerk tief verinnerlicht. Das verwendete Hirschleder stammt ausschließlich aus Deutschland und Österreich und wird sämisch gegerbt.

Dass junge Frauen dieses Handwerk heute wieder erlernen, ist tatsächlich mehr als eine Randnotiz dafür, dass sich die Tradition auch heute noch weiterentwickelt. Draußen ziehen die Touristen durch die Fußgängerzone von Berchtesgaden. Drinnen sitzen Anna Resch und Emma Woodcock über ihrem Handwerk. Vor ihnen Hirschleder, Nadeln und Zwirn. Die Geduld, die es braucht, haben die beiden, um etwas zu schaffen, das bleibt.

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