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Beratung für Unternehmen soll Tätern das Handwerk legen

Serien-Einbrüche halten Polizei in Atem – Katz- und Mausspiel in Bad Reichenhall

Ein Einbrecher und Polizeichef Huber aus Bad Reichenall
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Polizeichef Peter Huber klärt über den aktuellen Stand der Ermittlungen auf und bittet um Mithilfe.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wieder irgendwo in Bad Reichenhall eingebrochen wurde. Besonders auffällig hierbei: Es trifft fast immer nur Gewerbebetriebe, zuletzt den Seewirt am Thumsee. Nun sollen die örtlichen Unternehmer darüber aufgeklärt werden, wie man sich besser schützen kann. Zudem erklärt Polizeichef Huber, dass sie schon nah dran waren, den oder die Täter zu schnappen.

Bad Reichenhall – Die Liste ist lang. Seit dem 17. Oktober 2022 verzeichnet die Polizei 32 Einbrüche und Einbruchsversuche. Die meisten davon in der Innenstadt, aber auch einige in den Außenbereichen. Zuletzt traf es den Seewirt am Thumsee. Der oder die unbekannten Täter hebelten zwischen dem 3. und 4. April ein Fenster auf und gelangten so ins Gebäude. Zuvor hatten sie vergeblich versucht, eine Notausgangstüre aufzuhebeln. Im Gebäude wurden weitere Türen aufgebrochen und Räume teilweise durchsucht. Aus einem ebenfalls aufgebrochenen Stahlschrank wurde Bargeld in bislang unbekannter Höhe entwendet.

Ein gewisses Muster lässt sich erkennen

Lediglich zwei der 32 Einbrüche kann man aus der Serie ausschließen, da das Vorgehen hierbei anders war. „Aufgrund der Spurenlage am Tatort haben wir sonst immer das gleiche Schadensbild. Das verwendete Werkzeug ist wohl sehr, sehr ähnlich“, erklärt Bad Reichenhalls Erster Polizeihauptkommissar Peter Huber. Auch fänden die Taten immer nachts statt. Eingedrungen wird vorwiegend in Gewerbebetriebe, bisher nie in Wohnräume. Bevorzugt wird Bargeld gestohlen, aber auch Gegenstände, die sich vom ersten Eindruck her schnell zu Geld machen lassen. Der Schaden erstreckt sich durchschnittlich vom mittleren dreistelligen bis in den mittleren vierstelligen Bereich, beim letzten Einbruch am Thumsee entstand sogar ein Sachschaden in Höhe von 7000 Euro. „Die Tatbeute ist immer weit unter dem, was an Schaden angerichtet wurde“, so Huber. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter oder die Tätergruppe zu Fuß unterwegs sind und womöglich auch im Stadtgebiet wohnen.  

Die Polizei hatte schon eine heiße Spur

Bei einzelnen Delikten kann die Polizei ein enges Zeitfenster festlegen, da es hier Videoaufzeichnungen gibt. „Wir hatten schon einen Tatverdacht und eine Hausdurchsuchung. Von der Statur des Täters und der Bekleidung her hätte alles gepasst.“ Letztendlich hat sich dieser Verdacht jedoch nicht bestätigt. „Da waren wir auf der falschen Fährte“, bedauert der Polizeichef. Dennoch wurden immerhin bei den Einbrüchen Werkzeugspuren, Fingerabdrücke und DNA-Spuren gesichert.

Die Mehrzahl der Einbruchversuche war nicht erfolgreich

19 der 32 Fälle blieben im Versuch stecken. Woran das liegt, darüber könne man laut Huber nur mutmaßen: „Es kann sein, dass der Täter beim Versuch gestört wurde oder dass ihm der Aufwand zu hoch erschien. Vielleicht hat er nach dem ersten Versuch gemerkt, dass die Sicherung der Fenster und Türen einfach zu hoch ist. Bei einem hohen Kraftaufwand würde er auch mehr Lärm verursachen.“

RUFO nutzt Beratungsangebot der Polizei

Sicherung ist das große Schlagwort für die örtlichen Gewerbetreibenden. Mike Rupin vom Reichenhaller Unternehmerforum (RUFO) ist besorgt: „Man macht sich schon seine Gedanken. Es trifft ja nicht nur eine Branche, sondern es geht querbeet: Es ist eine Bäckerei betroffen, ein Friseurbetrieb, ein Kosmetikbetrieb, sogar eine Versicherungsfiliale, Einzelhändler und öffentliche Einrichtungen.“ Für jeden Gewerbetreibenden sei der Sachschaden ärgerlich, auch wenn oft nicht viel Geld in der Kasse fehle. Daher hat sich das RUFO auch bei Huber über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert. „Das war sehr konstruktiv, informativ und vertrauensvoll.“ Die Unternehmervereinigung bietet nun am 17. Mai einen Infoabend für seine Mitglieder zum Thema Einbruchschutz bei der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an. Zusätzlich empfiehlt sie, Fenster und Türen besser zu sichern sowie Bewegungsmelder und eine Videoaufzeichnung im Innenraum zu installieren.  

Schwachstellen erkennen und vorbeugen

Aber nicht nur Mitgliedern des RUFO steht eine polizeiliche Beratung zur Sicherheit vor Einbrüchen zur Verfügung. „Jeder Bürger und jede Bürgerin kann zu uns kommen, egal, ob es um eine Wohnung, ein Haus oder ein Geschäft geht. Wir sind ein kostenloser Service der Polizei“, erklärte Karl-Heinz Busch von der Beratungsstelle bei einem Besuch von BGLand24.de bereits im Februar.

Kriminalhauptkommissar Karl-Heinz Busch demonstriert beim Besuch von BGLand24.de einen Einbruch im Schauraum.

Busch kommt auch direkt ins Haus und deckt alle Schwachstellen auf. Ein besonderer Knackpunkt sind hier Fenster und Türen, die sich aber leicht nachrüsten lassen. In der Polizeidienststelle in Bad Reichenhall gibt es auch einen Schauraum, wo Busch sämtliche Sicherungssysteme vorführt.  

Einbruch in unmittelbarer Nähe des Streifenwagens

Die örtliche Polizeiinspektion ist knapp besetzt. Nachts gibt es nur eine Streife. Dass Personal aufgestockt wird, belächelt Huber: „Das wäre mein Traum. Wir schauen aber, dass wir in den relevanten Zeiten zu Fuß unterwegs sind. Sobald etwas anderes dazwischen kommt, ist das natürlich wieder vorbei.“ Unterstützung kommt nachts allerdings von der zivilen Einsatztruppe aus Traunstein und von der sogenannten Schleierfahndung der Grenzpolizei Piding.

Die Motivation, den oder die Täter zu fassen, ist unter den Kollegen der Polizeiinspektion sehr hoch. Da es in Bad Reichenhall nachts sehr still ist, hört man sehr gut, wenn man zu Fuß unterwegs ist und irgendwo eingebrochen wird. Allerdings sei laut Huber so ein Spaziergang kürzlich nach hinten losgegangen: „Die Kollegen saßen zuerst im Auto und sind dann eine Runde gegangen. Als sie zurück kamen, haben sie in unmittelbarer Nähe zum Dienstwagen wieder frische Einbruchsspuren gefunden.“

Keine Scheu vor der 110!

RUFO-Chef Rupin ist es ganz wichtig, dass Anwohner und Passanten ein offenes Ohr haben und Verdächtiges der Polizei melden. „Letztendlich geht es uns alle an. Wir wissen nicht, ob der Täter nicht doch mal auf Wohngebäude über geht, wenn er merkt, dass die Geschäfte gut gesichert sind. Wir wollen uns nicht ausmalen, wenn ihn mal jemand erwischt, ob er nicht doch gewalttätig ist.“

Der schnellste Weg ist immer der Polizeinotruf über die 110 und nicht die örtliche Polizeidienststelle. Auch wenn einem nur etwas eigenartig vorkommt, darf man schon diese Nummer wählen. Huber bestätigt: „Diese Nummer weiß jeder auswendig. Da geht auch immer jemand an den Apparat. Während das Telefonat läuft, können schon die Kräfte losgeschickt werden. Und zwar nicht nur die örtliche Inspektion, sondern alle, die den Funkspruch mithören, können sich in Bewegung setzen. Das ist ein ganz wertvoller Zeitvorsprung. Lieber schauen wir einmal umsonst hin, bevor wir wieder einen Einbruch aufnehmen müssen.“ Für die Gewerbetreibenden bleibt zu hoffen, dass der oder die Täter bald ins Netz gehen und die Stadt wieder aufatmen kann.

mf

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